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  Fluss
Im Tal von Kadisha, wo der mächtige Fluß strömt, kamen zwei Seitenarme zusammen und unterhielten sich.

"Wie geht es Dir mein Freund" fragte der eine, "und wie war Dein Weg?"
"Mein Weg war beschwerlich", antwortete der andere. "Ein Mühlrad war gebrochen, und der Bauer, der mich stets von meinem Bett zu seinen Feldern führte, ist tot. Ich bäumte mich auf gegen das Versickern im Schmutze derer,
die den ganzen Tag nichts zu tun haben, als ihre Faulheit in der Sonne zu braten. Doch wie war Dein Weg, Bruder?"

"Mein Weg war ganz anders. Ich kam die Hügel herab zwischen duftenden Blüten und stillen Weiden. Männer und Frauen tranken aus mir mit silbernen Bechern, und kleine Kinder planschten mit ihren rosigen Füßen an meinen Uferrändern, und überall herum gab es Gelächter und Gesang. Wie traurig, das dein Weg nicht auch so schön verlief."

In diesem Augenblick sprach der große Fluß mit mächtiger Stimme:

"Herein, nur herein, wir fließen dem Meer zu! Herein, und hört zu sprechen auf. Kommt jetzt mit mir! wir fließen zum Meer. Kommt, bei mir werdet ihr euere Wanderungen vergessen, ob sie nun schön oder beschwerlich waren. Kommt! Ihr und auch ich, wir werden alle unsere Wege vergessen, wenn wir das Herz unserer Mutter, die See, erreicht haben."


Khalil Gibran